
Der Prozess gegen eine Mutter, die ihre Tochter fast ihr ganzes Leben in einem Haus in Attendorn versteckt haben soll, begann am Mittwoch (07.01.) vor dem Landgericht Siegen. Doch bereits nach kurzer Zeit wurde die Verhandlung unterbrochen. Der mitangeklagte Großvater erschien nicht, obwohl kein ärztliches Attest vorlag. Die Vorsitzende Richterin erklärte ihn für „unentschuldigt abwesend“. Die Verhandlung soll am 12. Januar 2026 fortgesetzt werden. Offen bleibt, ob das Verfahren gegen den Großvater abgetrennt werden muss.
Schockierende Vorwürfe
Die Mutter des Kindes steht u.a. wegen Freiheitsberaubung, Misshandlung von Schutzbefohlenen und weiterer schwerer Vorwürfe vor Gericht. Sie soll ihre Tochter seit frühester Kindheit rund sieben Jahre lang im Haus der Großeltern in Attendorn eingesperrt haben. Das Mädchen wurde im September 2022 von der Polizei befreit und hatte bis dahin keinerlei Kontakt zur Außenwelt. Laut Anklage erlitt das Kind erhebliche Entwicklungsrückstände und wurde von einem normalen Leben mit Kita, Schule und sozialen Kontakten ferngehalten. Radio Siegen hatte vorab darüber berichtet.
Neben der Mutter sind auch die Großeltern des Kindes angeklagt. Während die Großmutter beim Prozessauftakt anwesend war, blieb der Großvater aufgrund gesundheitlicher Probleme fern. Die Richterin bot den Angeklagten ein Rechtsgespräch an, um eine mögliche Verständigung zu erreichen und die Dauer des Verfahrens zu verkürzen.
Beschwerde aus Publikum
Während einer Gerichtsverhandlung müssen Presse und Zuschauer eigentlich schweigen. Doch kurz vor Ende der Verhandlung meldete sich ein Zuschauer, berichtet unser Reporter für Radio Siegen aus dem Gericht. Weil teilweise die Mikrofone der Rechtsanwälte nicht funktioniert haben, will sich der Zuschauer beim Präsident des Landgerichts beschweren. Er ist der Meinung, die Öffentlichkeit sei nicht ausreichend hergestellt gewesen. Die Richterin wies den Anspruch ab.