
Am heutigen Mittwoch (07.01.) beginnt vor dem Landgericht Siegen der Prozess gegen eine Mutter, die ihre Tochter sieben Jahre lang in einem Haus in Attendorn eingesperrt haben sollen. Das Mädchen wurde im September 2022 im Alter von acht Jahren von der Polizei befreit. Laut Ermittlungen lebte das Kind seit Sommer 2015 isoliert im Haus der Großeltern und hatte keinen Kontakt zur Außenwelt. Es besuchte keine Schule, spielte nie mit anderen Kindern und wurde nie ärztlich untersucht. Die Staatsanwaltschaft wirft der Mutter u.a. Freiheitsberaubung, Misshandlung von Schutzbefohlenen und Körperverletzung vor. Die Großeltern sind wegen Beihilfe angeklagt.
Entwicklungsrückstände
Die Isolation hatte gravierende Folgen für die Entwicklung des Kindes. Es soll erhebliche Entwicklungsverzögerungen aufweisen und hatte Schwierigkeiten beim Treppensteigen. Die körperlichen Beeinträchtigungen besserten sich nach der Befreiung, doch das Mädchen bleibt von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Die genauen Motive der Mutter und Großeltern sind weiterhin unklar. Laut Staatsanwaltschaft wollte die Mutter den Kontakt zum Vater unterbinden und täuschte vor, mit dem Kind nach Italien ausgewandert zu sein.
Prozess und weitere Ermittlungen
Der Prozess umfasst zehn Verhandlungstermine, ein Urteil wird für den 19. Februar 2026 erwartet. Parallel läuft ein Verfahren gegen eine Jugendamtsmitarbeiterin, die trotz Hinweisen seit 2020 nicht rechtzeitig gehandelt haben soll. Neue Erkenntnisse könnten im Verlauf des Prozesses ans Licht kommen.