
Der Fall um ein offenbar jahrelang verstecktes Mädchen wird Thema im Düsseldorfer Landtag. Die SPD-Fraktion hat einen Bericht der Landesregierung für den kommenden Familienausschuss am 17. November beantragt. Die Opposition hat unter anderem Fragen zu der Rolle der Behörden. Wie konnte das Kind so lange unentdeckt und von der Außenwelt abgeschnitten festgehalten werden? Die SPD will auch wissen, warum niemanden auffiel, dass das Kind nicht zur Schule gegangen ist. Das achtjährige Mädchen hat offenbar fast sein komplettes Leben im Haus der Großeltern verbracht. Laut Staatsanwaltschaft Siegen war es dem Kind nicht ermöglicht worden, „am Leben teilzunehmen“. Es ging nicht zur Kita oder zur Schule und durfte nicht mit anderen Kindern spielen. Hinweise auf eine körperliche Misshandlung oder Unterernährung gab es nicht. Das Kind ist seit dem 23. September bei einer Pflegefamilie untergebracht.
Ermittlungen gegen Mutter und Großeltern
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Siegen erstrecken sich auch auf das Jugendamt des Kreises Olpe. „Wir müssen auch beleuchten, ob das Jugendamt alles Notwendige getan hat, um den Fall aufzudecken“, sagte Oberstaatsanwalt Patrick Baron von Grotthuss der dpa. Wenn ein achtjähriges Mädchen mutmaßlich fast sieben Jahre lang in einem Haus versteckt werde, „stellt sich zwangsläufig die Frage, ob das Kind nicht früher hätte gefunden werden können“. Dass das Mädchen dort so lange Jahre nicht gesehen wurde, weist laut Oberstaatsanwalt darauf hin, dass die Beschuldigten „sehr geheim und sehr sorgfältig“ vorgegangen seien. Gegen Mutter und Großeltern wird wegen Freiheitsberaubung und Misshandlung von Schutzbefohlenen ermittelt.