
Die Beratungsstelle TAMAR der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen hat ihre Arbeit in Siegen-Wittgenstein eingestellt. Der Kreistag hatte am 12. Dezember 2025 beschlossen, die jährliche Förderung von 36.000 Euro zu streichen- Radio Siegen hatte berichtet. Diese Entscheidung hat weitreichende Konsequenzen für die rund 50 Frauen, die jährlich von TAMAR unterstützt werden. Das FrauenForum Siegen-Wittgenstein zeigt sich in einer Stellungnahme empört und kämpft für den Fortbestand der Beratungsstelle.
Was macht TAMAR?
TAMAR bietet Prostituierten in Siegen-Wittgenstein Orientierung und Unterstützung in schwierigen Lebenslagen - sagte Birgit Reiche, Leitende Pfarrerin der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen, im Interview mit Radio Siegen. Die Beratungsstelle hilft bei Behördengängen, Schuldnerberatung und Problemen mit der Krankenversicherung:
Besonders wichtig sei auch die Begleitung beim Ausstieg aus der Prostitution, so Reiche. Hier gehe es dann u.a. darum, mit den Frauen auf Wohnungs- und Jobsuche zu gehen.
Viele Frauen, die von Gewalt und Stigmatisierung betroffen sind, finden bei TAMAR eine zentrale Anlaufstelle. Allein 2025 wurden nach Angaben von TAMAR 45 Frauen in Siegen-Wittgenstein intensiv beraten und teilweise erfolgreich in andere Berufe begleitet.
Und jetzt?
Reiche sagt uns, dass Behörden wie etwa das Gesundheitsamt die Arbeit nicht in gleicher Weise anbieten könnten wie TAMAR. Denn die Mitarbeiterinnen von TAMAR seien aktiv auf die Frauen zugegangen und hätten über Jahre hinweg ein Vertrauensverhältnis zu den Betroffenen aufgebaut. Eine Behörde hingegen leiste keine aufsuchende Arbeit. Außerdem sei das Vertrauen der - zumeist ausländischen - Frauen in Behörden oftmals nicht sonderlich groß:
Reiche sagt, dass eigentlich jetzt der Staat in Siegen-Wittgenstein einspringen muss. Denn das sog. "Prostituiertenschutzgesetz" sieht vor, dass Betroffene einen entsprechenden Anspruch auf eine Beratung haben. Der Kreis Siegen-Wittgenstein teilt dazu auf Anfrage von Radio Siegen mit:
"Der Kreis Siegen-Wittgenstein nimmt weiterhin die gesetzlich vorgesehenen Aufgaben nach dem Prostituiertenschutzgesetz wahr. Dazu zählen die Anmeldung von Prostituierten beim Ordnungsamt sowie die gesundheitliche Beratung durch das Gesundheitsamt. Darüber hinausgehende Angebote, wie sozialpädagogische Beratung, aufsuchende Arbeit oder Ausstiegsberatung, gehören nicht zu den gesetzlichen Aufgaben des Kreises und wurden bislang durch freie Träger wie z.B. Tamar wahrgenommen."
Appell an Kreistag
Das FrauenForum fordert die Fraktionen von CDU, AfD und FDP auf, ihre Entscheidung zu überdenken. In Zeiten zunehmender Gewalt gegen Frauen sende die Streichung der Mittel ein falsches Signal. Pfarrerin Birgit Reiche hat eine Petition gestartet, um die Unterstützung für die Beratungsstelle wiederherzustellen. Der Link zur Petition gibt es hier.