
Terrorismus
Islamabad (dpa) - Der tödliche Selbstmordanschlag in einem Vorort der pakistanischen Hauptstadt Islamabad am Freitag ist nach Worten von Pakistans Innenminister im Nachbarland Afghanistan geplant worden. «Nach der Explosion wurden Razzien in Nowshera und Peshawar durchgeführt, bei denen vier Mittelsmänner gefasst wurden», zitierte die Zeitung «Dawn» Minister Mohsin Naqvi. «Auch ihr Drahtzieher, ein Afghane, wurde gefasst», sagte Naqvi demnach weiter.
Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte den Anschlag auf ein schiitisches Gemeindehaus für sich reklamiert. Ein Selbstmordattentäter hatte dabei 36 Menschen in den Tod gerissen und rund 170 weitere verletzt. Die Planung und das Training seien bei einem Ableger des IS in Afghanistan erfolgt, sagte Naqvi laut der Zeitung. «Wir haben Leute, die uns Details darüber berichten, wie er dorthin gekommen ist und wie er ausgebildet wurde.»
In den vergangenen Jahren kam es in der Atommacht Pakistan wieder vermehrt zu Anschlägen. Der IS hat dabei regelmäßig brutale Anschläge gegen Schiiten verübt, die sie als Abtrünnige des Islams betrachten. Schiitische Muslime stellen etwa 20 Prozent der fast 250 Millionen Einwohner des südasiatischen Landes. Die Schia ist neben der Sunna die zweitgrößte Strömung im Islam.
IS will Provinz im Grenzgebiet etablieren
Der regionale Ableger des IS ist in der Grenzregion zwischen Pakistan und Afghanistan aktiv. Dort war die Terrormiliz erstmals 2015 auf afghanischem Gebiet aufgetaucht. Seitdem will sie im Grenzgebiet eine «Provinz» namens IS-Khorasan etablieren. Auch die Taliban, die im Sommer 2021 nach fast 20 Jahren westlicher Militärpräsenz wieder die Macht in Afghanistan ergriffen hatten, bekämpfen die islamistische Extremistengruppe.
Die Taliban-Regierung in Kabul warnte vor schnellen Urteilen. «Pakistanische Beamte haben in der Vergangenheit mehrfach (...) mit dem Finger auf Afghanistan gezeigt, ohne ordnungsgemäße Ermittlungen durchzuführen oder die erforderliche Sorgfalt walten zu lassen», hieß es in einer Erklärung des afghanischen Verteidigungsministeriums. In einer Mitteilung auf X verwies der Sprecher darauf, dass Kabul den Anschlag im Nachbarland verurteilt habe.