
Der Familien- und Kinderausschuss des Düsseldorfer Landtags hat sich über die Parteigrenzen hinweg erschüttert gezeigt über das Schicksal eines achtjährigen Mädchens in Attendorn. Das Kind soll jahrelang von seiner Mutter im Haus der Großeltern versteckt worden sein. Von der Opposition kamen kritische Fragen: Wieso habe das Jugendamt des Kreises Olpe die Behauptung der Mutter, nach Italien weggezogen zu sein, nicht früher überprüft, sondern erst nach dem Eingang mehrerer anonymer Hinweise, fragte der Abgeordnete Marcel Hafke (FDP). Wie könne es sein, dass die Mutter trotz Sorgerechts auch des Vaters einfach mit dem Kind das Land verlasse und es das Jugendamt nicht interessiere, fragte der Abgeordnete Dennis Maelzer (SPD). „Man hat den Eindruck, dass bei diesem Fall von Anfang an einiges schief gelaufen ist.“
Polizei und Jugendamt ohne Handhabe
Es mache betroffen zu erfahren, dass Polizei und Jugendamtsmitarbeiter vor dem Haus standen, in dem das Kind gefangen gehalten wurde, und offenbar keine rechtliche Handhabe hatten, hineinzukommen, sagte die Abgeordnete Nadja Büteführ (SPD). Sie stelle sich diese Fragen auch, sei aber nicht die Ermittlungsbehörde, sagte NRW-Familienministerin Josefine Paul (Grüne). „Was in diesem Fall hätte anders laufen können und müssen, ist noch Gegenstand der Ermittlungen.“ Ermittelt wird nicht nur gegen die Mutter und die Großeltern des Mädchens. Auch das Jugendamt ist im Visier der Staatsanwaltschaft - wegen des Anfangsverdachts der Freiheitsberaubung und Körperverletzung im Amt durch Unterlassen.(dpa)