
DEW-Stahlwerk in Geisweid bangt um Hunderte Jobs
Das Stahlwerk der Deutschen Edelstahlwerke (DEW) in Geisweid soll ab Mitte 2028 pausieren, was laut Gewerkschaft IG Metall für rund 350 Beschäftigte das Ende ihrer Jobs bedeuten könnte. Die Belegschaft reagiert mit Wut und kündigt massiven Widerstand an.
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Die Nachricht von der geplanten Schließung sorgt für eine Welle der Bestürzung im Siegerland.
Pläne für Geisweid
Die Swiss Steel Group hat eine radikale Neuausrichtung für die Deutschen Edelstahlwerke (DEW) verkündet. Der Standort Witten wird zum zentralen Kompetenzzentrum ausgebaut, während die Stahlproduktion in Geisweid ab Mitte 2028 „pausieren“ soll. Das Unternehmen begründet den Schritt in einer Pressemitteilung vom Dienstag (13.10.) mit strukturellen Problemen am Stahlmarkt und massiv gestiegenen Energiekosten in Deutschland.
„Der strukturell kleinere Markt macht diese Neuaufstellung notwendig. Mit der Konzentration auf Witten und das Walzwerk Siegen wollen wir eine langfristig wettbewerbsfähige DEW sichern.“ - Frank Koch, CEO der Swiss Steel Group
Wut über Videobotschaft
Besonders die Art der Kommunikation sorgt bei den Mitarbeitenden für heftige Kritik und tiefe Enttäuschung. Viele erfuhren von dem drohenden Aus ihrer Arbeitsplätze erst durch eine Videobotschaft der Konzernleitung, statt in einem persönlichen Gespräch. Gewerkschafter vor Ort sprechen im Interview mit Radio Siegen von einem mangelnden Respekt gegenüber den Menschen, die teils seit Jahrzehnten im Werk arbeiten.
„Ich finde, es ist nicht üblich, es ist auch meiner Meinung nach nicht anständig. Die Kolleginnen und Kollegen haben den Anspruch, persönlich informiert zu werden.“ - Peter Richter, Kassierer IG Metall Siegen
Existenzangst im Werk
Für viele Familien in Geisweid bricht eine Welt zusammen, da oft mehrere Generationen im Stahlwerk beschäftigt sind. Die Angestellten hatten in der Vergangenheit bereits auf viel Geld verzichtet, um die Zukunft des Standortes eigentlich abzusichern. Nun herrscht die Sorge vor, dass die angekündigte „Pause“ in Wahrheit das endgültige Aus für das Traditions-Stahlwerk bedeutet.
„Es sind Familien dahinter, es sind Häuser dahinter, es ist Finanzierung dahinter. Die Leute sollen bis 28 ihr Bestes geben und danach in den freien Fall gehen.“ - Michael Treske, Betriebsratsvorsitzender
Folgen für Geisweid
Das Stahlwerk gilt seit 180 Jahren als das industrielle Herzstück von Geisweid und prägt das gesamte Stadtbild. Ein Wegfall der rund 350 Stellen hätte laut Gewerkschaft und Betriebsrat auch drastische Auswirkungen auf den lokalen Handel und Dienstleister in der Umgebung. Experten schätzen, dass pro verlorenem Job in der Industrie bis zu drei weitere Stellen in der Region gefährdet sind.
„Geisweid ist das Stahlwerk. Das Stahlwerk ist Geisweid. Das ist sehr eng miteinander verbunden und es schmerzt die Menschen dahinter zu sehen.“ - Kursat Özcan (CDU), Bezirksausschussvorsitzender Geisweid
Bittere Enttäuschung
Besonders schmerzhaft ist für viele der Umstand, dass die Belegschaft in den vergangenen Jahren bereits massive finanzielle Zugeständnisse gemacht hat. Viele Mitarbeiter fühlen sich nun im Stich gelassen, da ihr persönlicher Beitrag zur Rettung des Werkes offenbar nicht ausgereicht hat. Die Stimmung unter den Kollegen wird als extrem belastet beschrieben.
„Wir fühlen uns wirklich alle fast betrogen. Wir haben unseren Beitrag geleistet und wir haben genug geblutet die letzten Jahre.“ - Dennis Trippler, Disponent
Protest am 26. Oktober
Die IG Metall und der Betriebsrat wollen die Entscheidung nicht kampflos hinnehmen und fordern einen klaren Sozialtarifvertrag. Ziel ist es, um jeden einzelnen Arbeitsplatz zu kämpfen oder zumindest faire Abfindungen und Umschulungen für die Betroffenen durchzusetzen. Für den 26. Oktober ist eine große Demonstration mit einem Marsch durch Geisweid bis zum Marktplatz geplant.
„In meinen Augen wird das Ganze ein bisschen verschönert mit dem Wort pausieren. Letzte Woche haben wir noch zusammen gefeiert, heute spielen wir das Lied vom Tod.“ - Fahrettin Bektas, Betriebsrat