
Frauen in Siegen-Wittgenstein verdienen im Durchschnitt 700 Euro weniger als Männer
Im Kreis Siegen-Wittgenstein verdienen Frauen, die eine Vollzeitstelle haben, aktuell rund 700 Euro und damit 19 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Darauf weist die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hin. Die NGG beruft sich dabei auf eine aktuelle Statistik der Arbeitsagentur.
Veröffentlicht: Montag, 26.07.2021 09:45
Danach liegt der durchschnittliche Verdienst von Männern mit voller Stundenzahl im Kreis Siegen-Wittgenstein derzeit bei 3.752 Euro im Monat – Frauen kommen auf lediglich 3.057 Euro.
„Die Zahlen zeigen, dass es bis zu einer echten Lohngerechtigkeit noch ein weiter Weg ist. Im Verkauf einer Bäckerei oder an der Rezeption eines Hotels – also bei Tätigkeiten, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden – sind die Einkommensunterschiede besonders groß“, sagt Lars Wurche, Gewerkschaftssekretär der NGG-Region Südwestfalen. Das habe auch damit zu tun, dass sich Fleischereien, Bäckereien, Hotels und Gaststätten häufig nicht an Tarifverträge hielten – und viele Frauen in niedrigeren Positionen mit geringeren Löhnen abspeisten.
Hinzu komme, dass Frauen überdurchschnittlich oft in Teilzeit- und Minijobs arbeiteten. „Solche Stellen erschweren nicht nur den beruflichen Aufstieg, sie sind meistens auch deutlich schlechter bezahlt als Vollzeitarbeitsplätze. Deshalb dürfte der tatsächliche Gender-Pay-Gap, also die Einkommenslücke zwischen den Geschlechtern, im Kreis Siegen-Wittgenstein deutlich über 19 Prozent liegen“, betont Wurche.
Die nächste Bundesregierung müsse zusätzliche gesetzliche Leitplanken für mehr Lohngerechtigkeit schaffen, fordert die NGG. Dazu gehörten ein verbindlicher Anspruch auf gleiches Geld für gleiche Arbeit und eine strukturelle Reform der Minijobs. Außerdem solle das Ehegattensplitting abgeschafft werden. „Das aktuelle Steuersystem führt dazu, dass in vielen Partner*innenschaften das Modell des männlichen Hauptverdieners bestehen bleibt. Wegen hoher Abzüge in der Steuerklasse 5 arbeiten Frauen oft nur wenige Wochenstunden. Im Fall einer Trennung stehen sie dann aber vor enormen finanziellen Schwierigkeiten“, so Wurche. Nach einer Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) könnte die Aufhebung des Ehegattensplittings bis zu 500.000 zusätzliche Vollzeitstellen schaffen – vor allem für Frauen.