
Im vergangenen September war beim Backesfest im Freudenberger Ortsteil Alchen eine gasbetriebene übergroße Bratpfanne explodiert. Eine 67jährige und eine 31jährige Frau kamen ums Leben. Weitere Personen wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Nach diesem Unglück hat die Staatsanwaltschaft Siegen umfangreiche Ermittlungen durchgeführt. Laut Staatsanwalt Fabian Glöckner wurden unabhängige Sachverständigenbüros mit der Begutachtung des eigengebauten Gasgrills beauftragt, der während des Festes explodiert war. Die Gutachten liegen vor und sind ausgewertet. Die Kriminalpolizei hat Zeugen und Geschädigte vernommen. Zurzeit richten sich die Ermittlungen gegen einen Verantwortlichen des Heimat- und Verschönerungsvereins Alchen. Gegen den Mann wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt.
Hintergrund: Bei der explodierten Pfanne handelte es sich um eine selbstgebaute Konstruktion, die bereits seit mehreren Jahrzehnten im Besitz des Heimat- und Verschönerungsvereins Alchen war. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft wurde diese Pfanne durch Sachverständige untersucht, um die mögliche Ursache für die Explosion zu ermitteln. Das Gutachten der Sachverständigen liegt nun vor. Demnach führte eine Verkettung verschiedener Umstände zur Explosion: Die Eigenkonstruktion war so aufgebaut, dass durch externe Gasbrenner unter dem Boden der Pfanne Öl erwärmt wurde, um eine gleichmäßige Wärmeverteilung zu erzielen. Das Öl befand sich dabei im Hohlraum zwischen Pfannenboden und Deckel in einem geschlossenen System. Pfannenboden und Pfannendeckel waren durch Metallstreben miteinander verschweißt. Zum Druckausgleich war ein Ventil angebracht.
Dem Alter des Gasgrills entsprechend war das Öl ebenfalls gealtert und der Siedepunkt erheblich gesunken. Dadurch dehnte sich das Öl schon bereits bei geringerer Wärme stark aus. Das zur Druckentlastung angebrachte Ventil war geschlossen, so dass zum Explosionszeitpunkt kein Druckausgleich stattfinden konnte. Durch die Ausdehnung des Öls und den fehlenden Druckausgleich stieg der Druck in dem geschlossenen System stark an, die Pfannenkonstruktion begann sich zu wölben. Dies führte dazu, dass die verschweißten Metallstege aus dem Pfannenboden gerissen wurden. Dabei entstanden mehrere Löcher im Boden. Durch diese Löcher spritzte nun das heiße Öl - durch den herrschenden Druck sehr fein verteilt - auf die offenen Flammen der Gasbrenner. Ein sofortiges explosionsartiges Abbrennen mit enormer Stichflammenbildung und Verspritzen brennenden Öls war die Folge. Die sich in unmittelbarer Nähe befindlichen Personen unter dem Unterstand, in dem sich die Pfanne befand, erlitten lebensgefährliche bis tödliche Brandverletzungen.
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Siegen und des Kriminalkommissariats 1 der Polizei Siegen-Wittgenstein ergaben den Verdacht, dass trotz Einweisung in die Handhabung des Gasgrills, die handelnden Personen überfordert waren. Als der Grill anfing, sich zu überhitzen und zu wölben, wurde ein Verantwortlicher des Festes darauf hingewiesen. Dieser war mit der Funktionsweise des Grills vertraut und hatte die Einweisung in die Handhabung vorgenommen. Er reduzierte darauf die Energiezufuhr. Die Fehlfunktion selbst wurde nicht abgestellt und der Grill auch nicht aus dem Betrieb genommen. Kurze Zeit später kam es zur Explosion. Gegen diese Person richten sich nun die weiteren Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung.