
Deutlich mehr Missbrauchsfälle als bisher bekannt
Die Universität Paderborn hat eine neue Studie zum sexuellen Missbrauch im Erzbistum Paderborn veröffentlicht. Zum Erzbistum Paderborn gehören auch die katholischen Kirchengemeinden in Siegen-Wittgenstein.
Veröffentlicht: Donnerstag, 12.03.2026 16:47
Die neuen Zahlen korrigieren bisherige Annahmen massiv nach oben. Bisher ging man von 111 Beschuldigten aus, nun sind es mindestens 210 Priester. Diese sollen über 480 Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben. Es geht um die Jahre 1941 bis 2002. Die Historikerin Nicole Priesching stellte die Ergebnisse am Donnerstag (12.03.) offiziell vor. Die Dunkelziffer in den Gemeinden könnte laut den Experten noch deutlich höher liegen. Es wurden für die Studie zahlreiche Personalakten und geheime Dokumente ausgewertet.
Mutmaßliche Täter geschützt
Die Studie wirft den ehemaligen Kardinälen Jaeger und Degenhardt schwere Versäumnisse vor. Mutmaßliche Täter wurden oft geschützt, während man die betroffenen Familien massiv unter Druck setzte. Priester konnten trotz Geständnissen oft ungestört in ihren Ämtern weiterarbeiten. Das soziale Umfeld der Kirche erschwerte es den Opfern zusätzlich, Hilfe zu finden. Den Betroffenen wurde oft suggeriert, sie seien selbst an den Taten schuld.
Wie geht's weiter?
Das Erzbistum Paderborn umfasst auch die katholischen Gemeinden in Siegen-Wittgenstein. Die Aufarbeitung ist mit dieser Studie jedoch noch lange nicht abgeschlossen. Für das Jahr 2027 ist bereits eine weitere Untersuchung zur jüngeren Vergangenheit angekündigt. Dann steht die Amtszeit von Erzbischof Hans-Josef Becker im Mittelpunkt der Forschung. Er leitete das Bistum über zwei Jahrzehnte bis zum Jahr 2022.