
Das war schon ungewöhnlich! Wie viele Bürgermeisterposten in Siegen-Wittgenstein im Herbst neu zu besetzen waren. Weil die Amtsinhaber nicht mehr zur Wahl antraten oder - wie im Fall der Stadt Siegen - abgewählt wurden.
Jonas Becker, Burbach
In Burbach folgte Jonas Becker auf Christoph Ewers. Heute ist er 100 Tage im Amt.
Wir haben ihn im Burbacher Rathaus getroffen, wo er mittlerweile offenbar allen Mitarbeitern im Flur morgens nicht nur still zunicken muss.
Er kennt seine Mitarbeiter und in den Parteien kennt man ihn. Den neuen, jungen Mann von der CDU. Und kommt mit ihm offenbar ganz gut zurecht.
Das klingt doch gut. Für Burbach und für Jonas Becker. Den neuen Bürgermeister. Der – wie alle seine Amtskollegen in Siegen-Wittgenstein – einen proppenvollen Terminkalender hat.
Aber das steht im Kleingedruckten, wenn man in diesem Job unterschreibt. Da geht es Jonas Becker nicht anders als den anderen Bürgermeistern.
Einen großen Vorteil hat er aber: Einen Vorgänger, der aus der gleichen Partei kommt und nicht aus der Welt ist: Christoph Ewers. Und den könne er jederzeit um Rat fragen.
Tristan Vitt, Siegen
Es war mit Sicherheit DIE Sensation der letzten Kommunalwahl: Der erst 28-jährige Tristan Vitt setzte sich in Siegen durch und wurde zum neuen Bürgermeister gewählt - mit gerade mal sieben Stimmen Vorsprung vor dem langjährigen Amtsinhaber, Steffen Mues.
Heute vor 100 Tagen durfte Tristan Vitt dann auf dem Bürgermeister-Sessel im Rathaus Platz nehmen. Sein erstes Zwischenfazit:
Und zeitaufwendig. Das fehlte noch in dieser Aufzählung. Aber das wusste Tritan Vitt schon als er sich zur Wahl gestellt hat. Dass man als Bürgermeister keinen 8-Stunden-Arbeitstag und keine 5-Tage-Woche hat.
Macht er auch. Als jüngster Großstadt-Bürgermeister in ganz Deutschland. Und ohne große Hilfe von außen.
Tristan Vitt ist nun 100 Tage Bürgermeister von Siegen. Sein Leben wurde damit aber nicht komplett auf links gedreht. Er selbst würde sich nicht großartig anders fühlen oder benehmen. Es sei eher umgekehrt.
Marco Müller, Kreuztal
Marco Müller ist der Rathaus-Chef in Netphen. Auch er zieht ein positives, erstes 100-Tage-Zwischenfazit.
Obwohl es in Netphen zuletzt viele Diskussionen gab. Zum Beispiel um die Windkraftanlagen an der Obernautalsperre. Oder als der Haushaltplan vorgestellt wurde.
... dass auch Netphen finanziell so ziemlich am Krückstock geht. Was dann eigentlich auch den Fahrplan für seine Amtszeit vorgibt, meint der neue Bürgermeister.
Das klingt kämpferisch und zeitaufwendig. Aber das findet Marco Müller offenbar halb so wild. Auch über Termine am Wochenende hört man ihn nicht meckern.
Volker Sonneborn, Bad Berleburg
Auch Volker Sonneborn in Bad Berleburg ist nun seit 100 Tagen Bürgermeister.
Volker Sonneborn hat dabei - anders als seine neuen Bürgermeisterkollegen in den anderen Rathäusern - einen Vorteil: Er hat schon vorher im Rathaus gearbeitet. In der zweiten Reihe.
Und trotzdem schaut Volker Sonneborn gerne über den Tellerrand hinaus und ist für Hilfe und Anregungen von außen offen.
Da gibt es – wie auch in den anderen Städten und Gemeinden – sehr viel zu tun. Das wird viel Kraft kosten und viel Zeit. Aber das weiß man, wenn man sich wählen lässt. Und auch Volker Sonneborn hat da in unserem 100-Tage-Bilanz-Interview nicht groß rumgemeckert.
Michael Kolodzig, Kreuztal
In Kreuztal folgte Michael Kolodzig auf Walter Kiß. Und der Neue im Bürgermeisteramt scheint seinen Traumjob gefunden zu haben...
Alle neuen Bürgermeister in Siegen-Wittgenstein haben ein positives Fazit ihrer ersten 100 Tage gezogen. Das von Michael Kolodzig war jetzt schon sehr positiv, muss man sagen.
Wie viele Kilometer er im neuen Amt schon runtergespult hat, wissen wir nicht, aber er war ordentlich unterwegs – auch in den Ortsteilen.
Und zunächst mal kennenlernt. Auch wenn das sehr zeitaufwendig ist.
Das ist er definitiv nicht. Das wird jeder Bürgermeister sofort unterschreiben. Für Ausgleich soll weiterhin der Fußball sorgen. Da ist Kreuztals Bürgermeister noch selbst aktiv. Und um Zeit für seine junge Familie will er auch kämpfen. Und wenn das mal wieder nicht klappt, bleibt ihm zumindest der Blick auf einen kleinen Kalender auf seinem neuen Schreibtisch.









